16. Juni 2011 Ratsfraktion

Queerschlag für Kiel

Wir finden, der Himmel über Kiel ist grau genug, da hat wenigstens die Stadt ein Recht darauf bunt zu sein. Seitdem DIE LINKE als Fraktion in der Kieler Ratsversammlung vertreten ist, stehen deshalb regelmässig Themen auf der Tagesordnung, die für mehr Aktzeptanz und Gleichberechtigung von lesbischen, schwulen, inter- und transexuellen Mitmenschen sorgen sollen. 

Obwohl das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz bereits seit etwa 5 Jahren gilt, ist es gesellschaftlich immer noch nicht voll akzeptiert, anders zu leben bzw. anders zu lieben.  Immer noch kann es ein Problem sein oder werden, sich am Arbeitsplatz als homo- oder transsexuell zu outen.

Immer noch ist die heterosexuelle Zweigeschlechtlichkeit stillschweigend ein Maßstab politischer Entscheidungen, juristischer Rahmensetzungen und kultureller Debatten. Noch immer wird die sexuelle und geschlechtliche Ausgrenzung reproduziert. 

Wir als Kommunalpolitiker versuchen unseren Beitrag zu leisten, damit die Gesellschaft endlich die Vielfalt als Bereicherung und nicht als Normverletzung akzeptiert.

2010 wollten wir, dass die Landeshauptstadt den CSD auf ihrer Homepage bewirbt. Kiel kann stolz sein, dass hier ein CSD stattfindet und sollte dementsprechende Unterstützung liefern. Außerdem wollten wir 2010, das die Verwaltung  ein Konzept erarbeitet, um nierdrigschwellige sexuelle Diskriminierung in der Stadtverwaltung sowie in den Eigenbetrieben der Landeshauptstadt aufzuspüren und präventiv gegen derartige sexuelle Diskriminierung vorzugehen. Leider fanden die anderen Fraktionen, dass das Thema gar nicht existiert und lehnten unseren Antrag ab.

Zur Ratsversammlung im Mai 2011 stellten wir eine Anfrage zum Sachstand beim Thema Homophobie. Als Ergebnis aus dieser Anfrage bringen wir im Juni 2011 einen Antrag in die Ratsversammlung ein, der ein Konzept einfordert, das für die Thematik sensibilisiert, damit Straftaten mit homophoben Hintergrund verhütet werden. Dabei sollen auch Transgender und andere queere Lebensformen Berücksichtigung finden, da diese noch mehr von Ausgrenzung und Anfeindungen betroffen sind. Nicht umsonst war unsere Ratsfrau Ayse Fehimli die Schirmherrin des ersten Transgender-Days 2010 in Kiel.

Homophobie, besonders wenn sie Hintergrund von Straftaten ist, muss von einer freiheitlichen Gesellschaft als Ganzes entschieden bekämpft werden. Straftaten gegen lesbische, schwule, bisexuelle, trans- und intersexuelle Menschen sind Angriffe auf das Selbstbestimmungsrecht und auf die Gleichheitsgrundsätze unserer Gesellschaft. 

Außerdem fordern wir, dass im Bereich Standortmarketing ein Konzept erarbeitet wird, dass Kiel als „gay friendly“ bewerben soll. Davon erhoffen wir uns nicht nur mehr Touristen, sondern auch mehr Akzeptanz in der Bevölkerung und bei Gastronomen.

Wir wollen, dass gerade Kiel als Landeshauptstadt den Ansprüchen einer demokratischen, freiheitlichen Gesellschaft gerecht wird und jeder Mensch sein ganz persönliches Lebensglück an der Förde finden kann.