Es ist mehr als traurig, dass Gaarden meist nur in negativen Zusammenhängen Erwähnungen findet. Dabei hat Gaarden ein ungeheures Potenzial. Gaarden, das ist die multikulturelle Mitte unserer Stadt. Ein Ort gelebter Kulturvielfalt und ein Platz in der Stadt an dem sich Menschen ausprobieren können, weil sie Raum für wenig Geld finden.
Genau hier liegt aber zugleich der Kern des Problems, dass die Überschrift sozialräumliche Polarisierung trägt.
In Düsternbrook stehen die Villen und in Gaarden wohnt der Hartz4 Empfänger. So lässt sich die Entwicklung in Kiel auf eine kurze Formel bringen. Menschen mit niedrigem Einkommen, prekärer Beschäftigung oder ohne Arbeit werden in Gaarden gesammelt. Die Quote von Transferleistungsbeziehern ist hier überproportional hoch. Der freie Wohnungsmarkt bietet nur hier günstigen Wohnraum für alle Menschen, die sich die angezogenen Mieten in der Stadtmitte nicht mehr leisten können. Dadurch verelendet ein Quartier und der Negativtrend wird sogar weiter angeheizt. Wenn Menschen benachteiligter sozialer Klassen so in einzelnen Stadtteilen gesammelt werden, wird das Empfinden der relativen Armut gesteigert, die Bereitschaft gesellschaftlichen Übereinkünften, Normen und Werten zu folgen sinkt. Wer beständig signalisiert bekommt, dass er an der Gesellschaft nicht teilhaben darf; wer tatsächlich auch räumlich seine Ausgrenzung erfährt, neigt eher dazu sich von der Gesellschaft abzuwenden.
Deshalb; Wie überall im Leben kommt es auf die richtige Mischung an. Wir brauchen in Kiel weder Wohlstandsghettos noch Armenquartiere.
Wir müssen dafür sorgen, dass auch materiell schlechter gestellte Menschen am kulturellen und sozialen Leben der Stadt teilnehmen können.
Zudem muss die Stadt sich endlich wieder im sozialen Wohnungsbau engagieren. Anstatt Flughäfen mit Gewerbegebiet brauchen wir mehr bezahlbaren Wohnraum. Die Mietpreisentwicklungen der letzten Jahre weisen eindeutig auf einen Mangel hin. Dieser soziale Wohnraum darf aber nicht als konzentrierter Stadtteil bestehen. Menschen aller Klassen müssen möglichst gleichmäßig übers Stadtgebiet verteilt sein. Das heißt es hilft nicht einfach nur einen Plattenbau hochzuziehen. Die starren Mietobergrenzen müssten endlich zur Disposition gestellt werden, anstatt alles was arm ist wegen der günstigen Miete nach Gaarden zu schicken. Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept der Verwaltung in Kiel stellt es selbst klar: Der Wohnungsmarkt versagt. Das freie Spiel von Angebot und Nachfrage hat keinen sozialen Verstand. Das blanke Profitstreben ist mit hohen gesellschaftlichen Kosten verbunden. Die Politik muss aktiv und umfassen in das Marktgeschehen eingreifen, um die Folgekosten zu begrenzen. Kiel braucht ein Recht auf Stadt!