von Ratsfrau Ayse Fehimli
Am 8. März 1857 streikten in New York 40 000 Weberinnen gegen die miserablen Arbeitsbedingungen. Sie traten ein für gleiche Rechte und Bezahlung. Sie forderten die Kürzung der Arbeitzeiten und ein Wahlrecht für Frauen. Mit ihrem Widerstand haben sie für die werktätigen Frauen der Welt und der Arbeiterinnenklasse den Weg gezeigt. Das Bürgertum in den USA hat den Widerstand der Frauen mit Polizeibrutalität niedergeschlagen und 129 Weberinnen ermordet und Hunderte von ihnen verletzt.
Im Kontext des Kampfes zwischen der Arbeiterinnenklasse und dem Kapital ist der 8. März daher zu einem wichtigen Tag des Widerstandes gegen die Unterdrückung weltweit geworden. Im Jahr 1910 fand die Zweite sozialistische Internationale statt. Dort wurde auf Vorschlag von Clara Zetkin der 8 März zum Internationalen Kampftag der Frauen benannt. Der Streik und die Proteste der New Yorker Frauen jähren sich nun zum 152. Mal. Seit vielen Jahren kämpfen die werktätigen Frauen gegen sexuelle Ausbeutung, gegen nationale Interessen des Bürgertums und des Kapitals, und treten ein für die Rechte der Arbeiterinnen und ihre Klasse weltweit. Sie gedenken der Gefallenen des Widerstandes und führen den Kampf der Weberinnen fort.
Frauen werden im Kapitalismus zur Ware. Sie werden zu Sklaven der Sklaven. Sie werden in der Familie und in der Gesellschaft unterdrückt und werden Opfer der Ausbeutung. Sie sind an vielen Orten der Welt Opfer von staatlicher Gewalt und Übergriffen. Sie leiden unter den feudalen und religiösen Werten und ihre Konsequenzen. Die Frauen sind zusätzlich zu den klassenspezifischen Benachteilungen sexueller Ausbeutung und Unterdrückung ausgesetzt.
Die Befreiung der Frau ist eng verbunden mit der Befreiung der Menschheit. Daher ist der Befreiungskampf der Frau gleichzeitig auch der Kampf des Mannes. Unser Kampf gilt der Macht des Kapitals sowie der Herrschaftsideologie des Mannes und des Patriarchats. In der bürgerlichen Gesellschaft werden Körper von Frauen für den wirtschaftlichen Profit in der Werbung und für Reklame verkauft. In der Prostitution werden sie be- und ausgenutzt. In der kapitalistischen Verwertung dienen sie als billige Arbeitskräfte. Sie sind in der Gesellschaft verdinglich und sexuelles Objekt.
Durch Gewalt, durch sexuelle Belästigung und Vergewaltigung und durch Ehrenmorde verlieren zahlreiche Frauen weltweit ihr Leben. Wenn wir für uns und unsere Kinder ein besseres Leben wollen, wenn wir uns die vom kapitalistischen System zugewiesene Rolle nicht annehmen wollen, wenn wir nicht die „Ehre“ der Familie, des Mannes und der Nation sein wollen, wenn wir als Frauen die Freiheit für unseren Körper wollen, wenn wir für uns selbst leben wollen, müssen wir uns organisiert gegen sexuelle Ausbeutung und Klassenunterdrückung, gegen jegliche Art von Ausgrenzung und Diskriminierung stellen und den Widerstand dagegen aufbauen und verwirklichen.
Das kapitalistische System, die Gesellschaft und die Familie haben für uns ein Wertesystem und Bewusstsein geschaffen und uns dieses aufgezwungen. Diese sind die Mauer um uns, die wir zerstören müssen, um ein neues Leben zu organisieren. In der Organisierung gewinnt die Freiheit seine Kraft. Dies muss benannt und verinnerlicht werden. Nur im Schutze dieser Kraft können wir frei denken und das Leben frei organisieren. Wenn wir frei denken, können wir etwas verändern. Nur dann sind wir nicht nur Köchinnen, Kinderversorgerinnen und gute Hausfrauen, sondern Frauen, die die klassenspezifischen Forderungen angehen und die Veränderung der Gesellschaft vorantreiben.
Als Frau in dem kapitalistischen System müssen wir uns für die Lösungen unserer Probleme engagieren. Unsere Kraft liegt in der Organisierung. Nur darin und im organisierten Widerstand können wir unsere Probleme lösen. Deshalb müssen wir mit dem Bewusstsein um die Wichtigkeit der Organisierung in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Schule, in Gewerkschaften und in alle Lebensbereichen eindringen, die Basis schaffen und die notwendigen Veränderungen herbeiführen.
DIE LINKE legt ihren Schwerpunkt auf die soziale Gerechtigkeit. Das Ziel unserer Arbeit ist es, mit unseren Aktivitäten und Aktionen die breiten Massen der Migrantinnen zusammenzuführen. Wir wollen die Frauenfragen und -anliegen jedes Jahr am 8. März benennen und unseren Befreiungskampf täglich führen. Um jeden Tag wie den 8 März zu würdigen und zu benennen, haben wir uns z.B. am 25. November 2009 (anlässlich des internationalen Tages gegen die Gewalt gegen Frauen) uns zusammengefunden, ausgetauscht und gemeinsame Wege gesucht.
Vereinigt Euch solidarisch zum 8 März, dem Internationalen Tag der werktätigen Frauen, um das Feuer der Freiheit auf der Straße entfachen. Und wir sagen: Gleichheit kommt nicht von selbst, wird einem nicht gegeben, sondern will gewonnen werden. Daher rufen wir für unsere Freiheit, hoch lebe der 8. März, der Internationale Tag der werktätigen Frauen.